Interview: Sebastian Geiger – alter und neuer Deutscher Meister

Der frisch gekürte Deutsche Meister Sebastian Geiger mit seinen Spielfiguren

„Nicht ambitioniert genug“ sei er für eine Top-Platzierung, ließ sich Sebastian „Basti“ Geiger nach dem ersten Tag der Deutschen Meisterschaft zitieren. Gut genug aber offensichtlich schon: Am Ende des zweiten Tages konnte sich der 28-jährige Hamburger im Finale gegen den 2015er-Meister Wadim Reimche behaupten und seinen Titel verteidigen. Damit hat er – angesichts der Umstellung auf internationale Opens statt nationaler Meisterschaften in Zukunft – nicht nur den mutmaßlich letzten Meisterschaftstitel gewonnen, sondern ist zudem erste und einzige, der den Titel zweimal gewinnen konnte. Grund genug, ihn uns einige Tage nach der Deutschen Meisterschaft für ein Interview zu schnappen.

Krosmaster.de: Hallo Basti! Wie fühlst Du dich nun mit einigen Tagen Abstand – als wohl letzter Deutscher Meister und einziger, der diesen Titel zweimal gewinnen konnte, zumal mit einer Titelverteidigung?

Basti: Nun, ich fühle mich gut. Es war eine coole Erfahrung, und ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich es schaffe, wie ich ja auch am Vortag gesagt hatte. Es war dann aber doch ein ziemlich gutes Gefühl. Schon ins Finale zu kommen war großartig für mich, weil wusste, dass ich nun doch noch einmal zur Weltmeisterschaft fahren könnte, was ansonsten nicht gereicht hätte.

Als ich dann im Finale gegen Wadim spielte hatte ich die Partie allerdings schon früh abgehakt – wider Erwarten wurde es dann aber doch noch ein sehr spannendes, intensives Match. Wadim hat dann einen Spielfehler gemacht, der mir letztlich den Sieg gebracht hat – was sich tatsächlich richtig gut angefühlt hat in dem Moment.

Krosmaster.de: Und dass, obwohl Du selbst ja nicht damit gerechnet hast, weit nach oben zu kommen.

Basti: Ich habe nicht gedacht, dass ich es nicht in den zweiten Tag 2 schaffe oder so. Mein selbst gesetztes Ziel war das Erreichen der Top 16 – alles darüber hinaus war so nicht geplant oder anvisiert.

Krosmaster.de: Dabei hast Du ja durchaus den Ruf, einer der besten, wenn nicht sogar der beste Spieler hierzulande zu sein. Und zudem überaus nett und entspannt, wie man immer wieder hört.

Basti: Das freut mich auf jeden Fall. Ich spiele Krosmaster ja auch unglaublich gerne, weil ich das Spiel einfach schön finde und die Community super-nett ist. Wenn man auch bei seinem Gegenüber das Gefühl hat, dass die Leute Spaß am Spiel haben und dieser im Vordergrund steht, dann macht es mir selbst auch mehr Spaß. Ich bin ja beispielsweise auch kein großer Freund des Durchziehens dieser 5-Minuten-Regel, aber das würde zu weit führen. Ich finde einfach, wenn beide Spaß am Spiel haben und nicht auf Zeit spielen braucht man sowas auch nicht zwingend.

Es freut mich auf jeden Fall, so etwas zu hören. Ich bin sicherlich nicht der schlechteste Spieler, aber ob der Beste? Es ist letztlich auch immer ein Spiel mit Würfeln, wo man auch Glück braucht.

Krosmaster.de: Wie siehst Du denn die gespielten Teams auf der Meisterschaft? Hat dich etwas überrascht?

Basti: Ich war im Allgemeinenen sehr begeistert vom Format und den vielfältigen Teams, die man dadurch sehen konnte. Gerade in den Top 16 war ich überrascht, dass so viele verschiedene Teams gespielt wurden, darunter auch spannende Eigenkreationen – das hat mich tatsächlich gefreut. Es zeigte sehr schön, dass das Meta nicht festgefahren ist, sondern es derzeit viele Möglichkeiten gibt, wie man spielen kann – und dass finde ich sehr cool.

Neben dem Team von Stefan L. an Tag 1 (Ben der Ripat, Meister Rab, Dark Vlad, Hanur Armein und Maskemane) war ich überrascht, die Königin der Diebe an Tag 2 zu sehen – die hatte ich echt nicht auf dem Schirm.

Krosmaster.de: Wie hast Du dich auf die Meisterschaft vorbereitet?

Basti: Als ich das Format gesehen hatte, hab ich erstmal meine Teamkollegen Ralf und Andre fünfmal gefragt, wie es sich genau zusammensetzt. Ich dachte beispielsweise zunächst, man würde in den Top 16 wieder die Figuren von Tag 1 spielen dürfen. Nachdem das geklärt war, hab ich mir ein Team überlegt, welches ich in den Top 16 verwenden will. Danach eines für die Top 32 – hier musste man ja 15 Punkte aufstellen, von denen 3 gebannt würden. Ich dachte mir, am besten stellt man dafür etwas auf, was nicht wirklich relevant ist Ich wollte Kitty Rage mit einem Supporter spielen, habe mich für Khan entschieden, und dann war die Frage: Wie schaffe ich es, dass dieser nicht gebannt wird? Ich hab mich dann dafür entscheiden, einen zweiten Level-2-Supporter ins Team zu nehmen und zwei Level-3er, da mir so nur die beiden 3er gebannt werden können – Khan jedoch nicht.

Ich habe dann viel mit Andre gesprochen, der Kitty Rage auch sehr gut fand. Da ich im Urlaub war, hat Andre dann auch viele Aufstellungen getestet um mir zu sagen, ob etwas sinnvoll ist und so auch die finale Version meines Top-32-Teams mitgestaltet. Am Ende wurde es dann Kitty Rage mit zwei Supportern, von denen einer Khan war, der allerdings auch gebannt werden konnte.

Für das Tag-1-Team habe ich ebenfalls während meines Südafrika-Aufenthalts viel mit Andre und Ralf geschrieben, und wir hatten da sehr viele Ideen. Zu dem Zeitpunkt dachten wir ja auch noch, dass Ralf selbst mitspielen würde. Ich hatte ursprünglich Harry Saf und Der Schwarze Rabe geplant, was ich jedoch nach der französischen Meisterschaft verworfen habe als ich gesehen hatte, wie omnipräsent dort Rückzu Tritt und Gain gespielt wurden. Ich habe dann eine Zeit lang überlegt, Ysus Team von der französischen Meisterschaft zu spielen oder Yugo-Trap. Andre meinte, ich solle lieber zweiteres spielen, da ich ja „nur“ drei Siege bräuchte. Da ich bis kurz vor dem Turnier noch im Urlaub war, habe ich lustigerweise erst am Morgen vor der Meisterschaft die Teams das erste mal auf das Spielfeld gestellt.

Von links nach rechts: Daniel (Platz 4), Basti (Meister) und Wadim (Platz 2)
Von links nach rechts: Daniel (Platz 4), Basti (Meister) und Wadim (Platz 2)

Krosmaster.de: Nun wirst Du ja im Oktober auf der SPIEL in Essen auf der Weltmeisterschaft spielen – was sind deine Erwartungen hierfür und generell für dich und Krosmaster?

Basti: Ich denke, dass bis dahin keine neue Season erschienen sein wird – obwohl diese ja für den 30. Juni angekündigt ist. Ich denke aber, dass man Figuren aus dem kommenden Boufball auf der Weltmeisterschaft sehen wird. Konkret vorbereiten werde ich mich aber erst, wenn die zugehörige Map veröffentlicht ist, und man weiß, was auf einen zukommt. Dann werde ich schauen, welche Figuren sich da mutmaßlich anbieten würden und wieder sehr viel mit Ralf und Andre spielen und trainieren.

Krosmaster.de: Abseits von Meisterschaften – was würdest Du recht neuen Spielern beziehungsweise Gelegenheitsspielern als Team empfehlen für kommende Turniere, mit denen sie solide spielen können, ohne dass das Team zu „schwierig“ ist?

Basti: Ich finde, dass schöne an Krosmaster ist, dass jeder sich die Komplexität selber auswählen kann. So ist ja beispielsweise ein Team aus 8 Figuren viel komplexer als eines mit nur 3 Figuren. Ich würde daher generell für jemanden, der nicht so spielerfahren ist, zu weniger Figuren raten. Da gibt es dann klare Favoriten, wie zum Beispiel Kitty Rage, da sie nicht nur ziemlich stark ist, sondern auch Spielfehler eher verzeiht. Das gleiche gilt auch für Rückzu Tritt. Generell ist das Spiel in letzter Zeit ziemlich schnell geworden – ich würde daher empfehlen, auch etwas schnelles zu nehmen, was flott Schaden macht und eben wenige Figuren.

Krosmaster.de: Und was denkst Du, wie sollten Einsteiger am besten beginnen und sich auf das spielen von Turnieren vorbereiten?

Basti: Da kann ich nur sagen, wie ich es damals kennen gelernt habe. Das war 2014 in Nürnberg. Ich habe Figuren ausgeliehen bekommen und einfach gespielt. Die dortige Community war dabei einfach großartig und hat sich auch die Zeit genommen, mir zu helfen und etwas zu erklären. Ich denke, das wird in anderen Community genauso sein – die Krosmaster-Spieler sind generell sehr nett, und gerade beim spielen gegen Anfänger steht dabei oft nicht das Gewinnen im Vordergrund, sondern dass das Gegenüber das Spiel kennen lernt und daran Freude hat. Ich habe auch noch nie ein normales Turnier gesehen, wo verbissen gespielt wurde.

Ich kann daher nur empfehlen: Einfach auf Turniere gehen, sich ein Team leihen und spielen. Am Ende sollte man die Figuren mögen, die man spielt. Es gibt auch soviele coole Teams, die Spieler gebaut haben, einfach, weil sie eine bestimmte Figur spielen wollten – was häufig auch wirklich erstaunlich gut funktioniert hat.

Krosmaster.de: Figuren, die man mag – was sind denn deine Lieblinge?

Basti: Meine Lieblingsfigur ist Cleome, weil ich sehr lange Ninbox gespielt habe, und seit der letzten Weltmeisterschaft auch Meister Rab, da seine Rablinge einfach ziemlich viel könne, er jedoch nicht so overpowered ist wie Der Schwarze Rabe zu Beginn, bevor er Boss wurde.

Krosmaster.de: Und wie beurteilst Du die Spielstärke der neuesten Season, im Vergleich zu den vorherigen?

Basti: Ich denke, da schere ich nicht aus der Reihe – Season 1 war der Benchmark für alle weiteren, wo sich Season 2 sehr gut eingereiht hat. Wogegen es bei bei Season 3 ziemlich abgeflacht ist. In den ersten beiden gab es sowohl Figuren, die richtig stark waren und solche, die kaum etwas reißen konnten. Bei Season 3 konnte, bis auf wenige Ausnahmen, keine Figur etwas. Season 4 hatte dann wieder ein ordentliches Level – das Problem ist aber, dass im Seasons-Format noch immer die zweite Season dabei ist, die eigentlich zu stark ist.

Ich bin sehr gespannt darauf, was passiert, wenn Season 6 erschienen ist. Die letzte Season (5), ist auf dem Niveau von der vorherigen – wenn die nächste Season auch auf diesem Niveau ist und die zweite rausrotiert bekommen wir wohl ein unglaublich spannendes Meta. Ich freue mich schon darauf.

Krosmaster.de: Zurück zu Turnieren. Bist Du generell einer der Spieler, die viel auf solchen spielen?

Basti: 2017 habe ich sechs Turniere gespielt – darunter ein Qualifying Tournament, den Community-Cup und eines zum Release des OVA-Packs. Ob das viel ist? Ich weiß es nicht. Mit Arbeit und Privatleben ist es leider auch manchmal schwierig, Zeit zu haben weit zu fahren, und in Hamburg direkt gibt es derzeit leider keine Turniere.

Krosmaster.de: Zum Abschluss: Wie blickst Du auf die Zukunft des Spiels? Was erwartest oder erhoffst Du?

Basti: Ich hoffe inständig, dass die Spielerschaft wächst oder zumindest langfristig seine derzeitige Größe behält. Wichtig ist hierbei, dass es einen konstanten Flow gibt an Neuem, wobei klar ist, dass es immer Spieler geben wird, die aufhören – dafür müssen dann auf der anderen Seite neue Spieler dazukommen. Durch die entspannte und hilfsbereite Community sollte das aber durchaus möglich sein.

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